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Mastering – Die Lautstärkeschlacht

Seit Jahren gibt es den Trend, beim Mastern immer mehr „Lautstärke“ zu erreichen. Dass technisch immer nur ein Maximum on OdB erreicht wird, ist Fakt, also wir die Dynamik immer eingeschränkt und durch eine höhere Kompression und Dichte wird mehr Lautstärke erreicht. Die Musik bleibt dabei inzwischen auf der Strecke. Warum wirkt eine Fortissimo-Stelle eines Orchesters so mächtig, warum knallt der Einsatz der Band nach dem Intro von „In the Flesh“ (Pink Floyd – The Wall) oder bei „Darkness“ (Peter Gabriel – Up) so immens? Weil die Stelle vorher jeweils sehr leise ist. Dynamik gehört zur Musik und zwingend zur Emotion. Musik ohne Dynamik ist tot. Musik mit entsprechender Dynamik lässt sich auch nicht beim Auto-Fahren hören, oder beim Staubsaugen usw. – es sei denn, man dreht ständig am Lautstärke-Regler! Die Tot-Komprimierung von Musik ist entstanden vor dem Hintergrund, Musik als Nebenbei-Konsumprodukt, als Berieselung zu sehen. Das wirkliche Erlebnis von Musik, das viele Veröffentlichungen per se auch nicht bieten können, bleibt damit auf der Strecke. Und mir, als audiophilem Menschen, dreht sich der Magen um. Da zerren die Höhen, da matscht das Schlagzeug, Hauptsache es ist laut! Und leider interpretieren viele Menschen auf der Vermarktungsseite der Musikindustrie diese Lautstärke als „Druck“. Fakt ist: Der eigentliche Druck geht verloren.

Ich persönlich werde in der Zukunft jeden Mastering-Job mit der Vorgabe, die maximale Lautstärke (an den aktuellen Chart-Produktionen gemessen) zu erreichen, ablehnen. Ich habe meinen Beruf aus Spaß und Leidenschaft an der Musik gewählt und ich habe den Anspruch, dass das, was mein Studio verlässt wirklich GUT KLINGT.

Aktualisiert am 31. Dezember 2009

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Ein Kommentar

  1. Hi Jens,
    ich stimme dir voll und ganz zu. Mit dem Thema Dynamik habe ich mich bei meiner Diplomarbeit auseinandergesetzt. Siehe http://www.muzik23.de/diplomarbeit-musikalische-gruppenimprovisation/2.1.4-was-ist-musik—die-dynamik-90.html

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